Seit
ich diesen Blog angefangen habe, denke ich ständig an eine Leserin,
die derartig dreist und seltsam ist, dass ich vermutlich einen ganzen
Eintrag nur über sie verfassen müsste…
Aber
was mir vor allem im Gedächtnis geblieben ist, ist ihre Aussage, die
sie eines Tages gemacht hatte…
Es
war ein ziemlich ruhiger Tag in unserer Bibliothek. Mein Kollege und
ich standen an der Theke und hatten nicht allzu viel zu tun, weil
nicht viel Kundenverkehr herrschte.
Wir
konnten etwas quatschen und der große Stress blieb aus.
Dann
trat die oben erwähnte Dame an uns heran, die den Schreib-PC genutzt
hatte und jetzt ihre Karte abholen wollte, die sie ja als Pfand
zurück gelassen hatte:
„Sie
haben aber einen tollen entspannten Beruf hier. Müssen gar nichts
machen, können einfach nur quatschen. Hätte ich auch gerne.“
Ich
weiß nicht, ob sie es böse gemeint hatte, oder freundlich sein
wollte…
Aber
ihre Aussage machte mich wütend.
Denken
die Leute tatsächlich, dass das Stehen an der Theke ALLES ist, was
wir tun?
Der
Auskunftsdienst erfasst gerade mal 3 Stunden eines 8 Stunden-Tages.
3
Stunden, in denen ALLES passieren kann.
Es
kann ruhig sein, anstrengend, laut, witzig, nervig, ja sogar
gefährlich.
Und
je nachdem, wer was mitbekommt denkt dann, das sei immer so.
Unglaublich.
Sich
mal zu überlegen, wer z.B. dafür sorgt, dass die Regale nicht
aussehen, als hätte eine Bombe eingeschlagen; dass zurück gegebene
Bücher wieder an ihren Platz finden, damit andere sie ausleihen
können; was überhaupt getan werden muss, damit es NEUE Bücher
gibt… darüber denkt keiner nach? Aber wenn wir mal an der Theke
quatschen, wenn es ruhiger ist, OAH, DAS IST JA EIN ENTSPANNTER
BERUF!
Ich
antwortete der Dame nicht.
Das
hatte sie auch nicht erwartet.
„Was
macht man denn den ganzen Tag in einer Bibliothek? Was haben Sie für
Aufgaben?“
Und
nein, das war kein höfliches Interesse. Das war ein Tonfall, der
eigentlich aussagen sollte: „Machen Sie eigentlich ÜBERHAUPT etwas,
als städtische Angestellte? Oder kassieren Sie das Geld der
Steuerzahler für’s Quatschen an der Theke? Denn so sieht das hier
nämlich aus, Sie faules Pack!“
Da
ich nun keine Lust hatte, meinen Tagesablauf zu schildern, sagte ich
nur knapp, dass wir neben dem Auskunftsdienst noch Büroarbeit
hätten, die es zu erledigen gilt.
„Mh-mh.“,
machte die Dame. „Und was machen Sie da so im Büro?“
Just
in diesem Moment, kam Leben ins Haus – fast wie durch Geisterhand.
Mehrere Leute stellten sich an die Theke und hatten Anliegen.
Das
erlöste mich und meinen Kollegen von der neugierigen jungen Frau und
wir machten uns an die Arbeit.
Klar,
der Job in einer Bibliothek ist nicht der härteste der Welt.
So
gar nicht!
Aber
unterschätzt nicht, dass auch geistige Arbeit immer noch Arbeit ist.
Und
wenn man dann auch noch mit Menschen zu tun hat, wird dieser Job ganz
schnell stressig.
Ein
purer Bürojob hält kaum Überraschungen parat. Alles ist geregelt.
Fast jeder Tag gleicht dem anderen.
Aber
Menschen?!
Ouh
mann, ich WÜNSCHTE, wir hätten jeden Tag nur die netten Exemplare
bei uns.
Aber
Menschen sind verschieden. So wie ihre Launen und Umgangsformen.
DAS
macht den Beruf anstrengend (ABER auch interessant und
abwechslungsreich!)
Und
darüber sollte man sich im Klaren sein…
Bis
dahin
Schockt
die Massen – lest ein Buch
Eure
Sherry