Donnerstag, 18. August 2016

Der "chillige" Beruf

Seit ich diesen Blog angefangen habe, denke ich ständig an eine Leserin, die derartig dreist und seltsam ist, dass ich vermutlich einen ganzen Eintrag nur über sie verfassen müsste…
Aber was mir vor allem im Gedächtnis geblieben ist, ist ihre Aussage, die sie eines Tages gemacht hatte…

Es war ein ziemlich ruhiger Tag in unserer Bibliothek. Mein Kollege und ich standen an der Theke und hatten nicht allzu viel zu tun, weil nicht viel Kundenverkehr herrschte.
Wir konnten etwas quatschen und der große Stress blieb aus.
Dann trat die oben erwähnte Dame an uns heran, die den Schreib-PC genutzt hatte und jetzt ihre Karte abholen wollte, die sie ja als Pfand zurück gelassen hatte:
Sie haben aber einen tollen entspannten Beruf hier. Müssen gar nichts machen, können einfach nur quatschen. Hätte ich auch gerne.“
Ich weiß nicht, ob sie es böse gemeint hatte, oder freundlich sein wollte…
Aber ihre Aussage machte mich wütend.

Denken die Leute tatsächlich, dass das Stehen an der Theke ALLES ist, was wir tun?
Der Auskunftsdienst erfasst gerade mal 3 Stunden eines 8 Stunden-Tages.
3 Stunden, in denen ALLES passieren kann.
Es kann ruhig sein, anstrengend, laut, witzig, nervig, ja sogar gefährlich.
Und je nachdem, wer was mitbekommt denkt dann, das sei immer so.
Unglaublich.
Sich mal zu überlegen, wer z.B. dafür sorgt, dass die Regale nicht aussehen, als hätte eine Bombe eingeschlagen; dass zurück gegebene Bücher wieder an ihren Platz finden, damit andere sie ausleihen können; was überhaupt getan werden muss, damit es NEUE Bücher gibt… darüber denkt keiner nach? Aber wenn wir mal an der Theke quatschen, wenn es ruhiger ist, OAH, DAS IST JA EIN ENTSPANNTER BERUF!

Ich antwortete der Dame nicht.
Das hatte sie auch nicht erwartet.
Was macht man denn den ganzen Tag in einer Bibliothek? Was haben Sie für Aufgaben?“
Und nein, das war kein höfliches Interesse. Das war ein Tonfall, der eigentlich aussagen sollte: „Machen Sie eigentlich ÜBERHAUPT etwas, als städtische Angestellte? Oder kassieren Sie das Geld der Steuerzahler für’s Quatschen an der Theke? Denn so sieht das hier nämlich aus, Sie faules Pack!“

Da ich nun keine Lust hatte, meinen Tagesablauf zu schildern, sagte ich nur knapp, dass wir neben dem Auskunftsdienst noch Büroarbeit hätten, die es zu erledigen gilt.
Mh-mh.“, machte die Dame. „Und was machen Sie da so im Büro?“
Just in diesem Moment, kam Leben ins Haus – fast wie durch Geisterhand. Mehrere Leute stellten sich an die Theke und hatten Anliegen.
Das erlöste mich und meinen Kollegen von der neugierigen jungen Frau und wir machten uns an die Arbeit.

Klar, der Job in einer Bibliothek ist nicht der härteste der Welt.
So gar nicht!
Aber unterschätzt nicht, dass auch geistige Arbeit immer noch Arbeit ist.
Und wenn man dann auch noch mit Menschen zu tun hat, wird dieser Job ganz schnell stressig.
Ein purer Bürojob hält kaum Überraschungen parat. Alles ist geregelt. Fast jeder Tag gleicht dem anderen.
Aber Menschen?!
Ouh mann, ich WÜNSCHTE, wir hätten jeden Tag nur die netten Exemplare bei uns.
Aber Menschen sind verschieden. So wie ihre Launen und Umgangsformen.
DAS macht den Beruf anstrengend (ABER auch interessant und abwechslungsreich!)
Und darüber sollte man sich im Klaren sein…

Bis dahin

Schockt die Massen – lest ein Buch


Eure Sherry