Donnerstag, 1. September 2016

Dreist, dreister, Praktikanten

Ohne Witz – es gibt für einen Schüler wohl nichts, das „chilliger“ sein könnte, als ein Praktikum in der Bibliothek.
Ehrlich!
Man wird nicht überfordert und wenn man clever ist, auch nicht unterfordert.
Hat man Interesse am Beruf, bekommt man einen guten Einblick und kann, je nachdem wie lange das Praktikum dauert, echt tief „hinein schnuppern“.
Das gilt natürlich für die, die sich TATSÄCHLICH für den Beruf interessieren.

Und was soll ich sagen? Solche Praktikanten haben wir irgendwie sehr selten.
Mir kommt es sogar fast so vor, als nähmen wir nur die Leute auf, deren eigentliches „Traumpraktikum“ schon vergeben oder nicht möglich war…
Ich hab jetzt schon mit 3 oder 4 Praktikanten gesprochen… Die sagten zumindest alle, dass sie lieber woanders wären…
(Ich weiß, 3 oder 4 Leute sind jetzt nicht die ABSOLUTE-OHMEINGOTT-MEHRHEIT. Aber immerhin…)

Nun ja, selbst wenn der Job in einer Bibliothek nicht gerade ein Traumjob für so manchen Unterstufenschüler ist, so ist es saubere und angenehme Arbeit.
Und viele der jungen Leute halten es hier ganz gut aus, selbst mit Langeweile, würde ich mal behaupten.
(Einer war echt witzig. Der fand alles, was wir ihm auftrugen absolut scheiße und machte auch kein Geheimnis daraus. Wenn er was tat, fragte er sich immer laut: „Und welchen Sinn hat das jetzt? Wozu mache ich das? Verschwendete Lebenszeit!“
Er war ungefähr… 14?
Und hätte liebend gerne ein Praktikum in einer IT-Firma gemacht – solche Firmen können aber leider nichts mit Halbstarken anfangen, die keinen Plan vom Programmieren haben… Tja. Dumm gelaufen.
Jedenfalls ein echt witziger Typ…)

Bei manchen Praktikanten fragt man sich jedoch, ob nicht eine ganz andere Absicht hinter dem Praktikum steckt… bzw.: macht Gelegenheit tatsächlich Diebe?

Als ich meine Ausbildung anfing, hatten wir einen Praktikanten in der Bibliothek.
Ich mach ihn mal weiblich und nenne ihn „Bärbel“. So.
Bärbel, ein Mädchen in meinem Alter, absolvierte also ihr Praktikum bei uns.
Besuchte alle Etagen, sah sich jeden noch so kleinen Teilbereich an und machte auch die Auskunftsdienste mit. Sie war ein bisschen verpeilt, fiel aber ansonsten nicht weiter auf.
Als Azubi war ich nun nicht zu 100% im Bilde, was ein Praktikant den ganzen Tag so tut, aber als Bärbels Praktikum abrupt beendet wurde, erhob sich lautes Getuschel und Geflüster…
Sofern sowas möglich ist, wurde Bärbel fristlos und sofort „gekündigt“ und durfte ihr Praktikum nicht abschließen. Aus einem einfachen Grund:
Kurz alleine an der Auskunftstheke, hatte sie sich an der Kasse bedient. Ich glaube, es waren 20 €, die sie entwendet hatte.
Pech für Bärbel, dass wir Kameras haben.
Und Pech für Bärbel, dass wir die Kasse ständig prüfen.
Gut für Bärbel, dass unsere leitenden Organe in der Bibliothek, manchmal echt lasche Urteile fällen.
Denn obwohl sie uns beklaut hatte, auf dreckige Art und Weise, sahen wir von einer Anzeige und einem Hausverbot ab.
DAFUQ?!“ dachten viele von uns.
Aber der eigentliche Knüller kommt erst noch:

Bärbel, unschuldig wie sie ist, ist eine regelmäßige Kundin in der Bibliothek mit einer aktiven Karte und „wagt“ es tatsächlich, fast täglich vorbei zu kommen und ans Internet zu gehen oder sich Dinge auszuleihen.
Also, gäbe es einen Preis für Dreistigkeit, Bärbel hätte ihn gewonnen.
Ich bin fassungslos, jedes Mal, wenn ich sie sehe. Und wütend. Dass sie so dreckig und hinterhältig ist und so tut, als sei nichts gewesen.

Was geht in Leuten vor, die so abgebrüht sind?!
Hm, bringt es was, wenn ich erwähnte, dass Bärbel ALG 2 – Empfängerin ist? Vermutlich nicht.
Wie bekommt man eigentlich Hartz 4, wenn man noch nie richtig gearbeitet hat?!
Fragen über Fragen und ich kann nur den Kopf schütteln, wenn ich solche Menschen sehe…
Wie oben erwähnt: Bärbel ist in meinem Alter.
Die kann mir nicht erzählen, dass es nirgendwo Jobs oder Ausbildungen für sie gibt.
Wenn man die verdammte Zeitung aufschlägt, springen einem schon Angebote ins Gesicht. Und sei es „nur“ in der Kosmetik!
Sowas macht mich echt wütend.
Generell fällt mir gerade auf: Menschen machen mich wütend. Weil sie so böse und durchtrieben sind! Was stimmt denn nicht mit denen?!
Und dann kommen die ausgerechnet in eine Bibliothek!
*puh*

Es ist wirklich faszinierend, wie fast jeder meiner Einträge damit endet, dass ich mich über die Gesellschaft aufrege (hier: über faule, nichtsnutzige Jugendliche, die kriminell werden).
Lässt sich anscheinend nicht vermeiden, wenn man Kundenkontakt hat.
Aber traurig ist es auch. Ich wünschte, der Kontakt mit Menschen würde immer respektvoll und freundlich ablaufen – wäre dies der Fall, hätte ich jedoch nichts, worüber ich schreiben könnte…
Keine Ahnung, Freunde.
Ich werde tatsächlich müde, wenn ich mir über solche Fragen den Kopf zerbreche. Denn besser wird es nicht. Eher schlimmer.
Und wenn man nicht aufpasst, wird man selbst zum Opfer…

Bis dahin

Schockt die Massen – lest ein Buch


Eure Sherry