Ohne
Witz – es gibt für einen Schüler wohl nichts, das „chilliger“
sein könnte, als ein Praktikum in der Bibliothek.
Ehrlich!
Man
wird nicht überfordert und wenn man clever ist, auch nicht
unterfordert.
Hat
man Interesse am Beruf, bekommt man einen guten Einblick und kann, je
nachdem wie lange das Praktikum dauert, echt tief „hinein
schnuppern“.
Das
gilt natürlich für die, die sich TATSÄCHLICH für den Beruf interessieren.
Und
was soll ich sagen? Solche Praktikanten haben wir irgendwie sehr
selten.
Mir
kommt es sogar fast so vor, als nähmen wir nur die Leute auf, deren
eigentliches „Traumpraktikum“ schon vergeben oder nicht möglich
war…
Ich
hab jetzt schon mit 3 oder 4 Praktikanten gesprochen… Die sagten
zumindest alle, dass sie lieber woanders wären…
(Ich
weiß, 3 oder 4 Leute sind jetzt nicht die
ABSOLUTE-OHMEINGOTT-MEHRHEIT. Aber immerhin…)
Nun
ja, selbst wenn der Job in einer Bibliothek nicht gerade ein Traumjob
für so manchen Unterstufenschüler ist, so ist es saubere und
angenehme Arbeit.
Und
viele der jungen Leute halten es hier ganz gut aus, selbst mit
Langeweile, würde ich mal behaupten.
(Einer
war echt witzig. Der fand alles, was wir ihm auftrugen absolut
scheiße und machte auch kein Geheimnis daraus. Wenn er was tat,
fragte er sich immer laut: „Und welchen Sinn hat das jetzt? Wozu
mache ich das? Verschwendete Lebenszeit!“
Er
war ungefähr… 14?
Und
hätte liebend gerne ein Praktikum in einer IT-Firma gemacht –
solche Firmen können aber leider nichts mit Halbstarken anfangen,
die keinen Plan vom Programmieren haben… Tja. Dumm gelaufen.
Jedenfalls
ein echt witziger Typ…)
Bei
manchen Praktikanten fragt man sich jedoch, ob nicht eine ganz andere
Absicht hinter dem Praktikum steckt… bzw.: macht Gelegenheit
tatsächlich Diebe?
Als
ich meine Ausbildung anfing, hatten wir einen Praktikanten in der
Bibliothek.
Ich
mach ihn mal weiblich und nenne ihn „Bärbel“. So.
Bärbel,
ein Mädchen in meinem Alter, absolvierte also ihr Praktikum bei uns.
Besuchte
alle Etagen, sah sich jeden noch so kleinen Teilbereich an und machte
auch die Auskunftsdienste mit. Sie war ein bisschen verpeilt, fiel
aber ansonsten nicht weiter auf.
Als
Azubi war ich nun nicht zu 100% im Bilde, was ein Praktikant den
ganzen Tag so tut, aber als Bärbels Praktikum abrupt beendet wurde,
erhob sich lautes Getuschel und Geflüster…
Sofern
sowas möglich ist, wurde Bärbel fristlos und sofort „gekündigt“
und durfte ihr Praktikum nicht abschließen. Aus einem einfachen
Grund:
Kurz
alleine an der Auskunftstheke, hatte sie sich an der Kasse bedient.
Ich glaube, es waren 20 €, die sie entwendet hatte.
Pech
für Bärbel, dass wir Kameras haben.
Und
Pech für Bärbel, dass wir die Kasse ständig prüfen.
Gut
für Bärbel, dass unsere leitenden Organe in der Bibliothek,
manchmal echt lasche Urteile fällen.
Denn
obwohl sie uns beklaut hatte, auf dreckige Art und Weise, sahen wir
von einer Anzeige und einem Hausverbot ab.
„DAFUQ?!“
dachten viele von uns.
Aber
der eigentliche Knüller kommt erst noch:
Bärbel,
unschuldig wie sie ist, ist eine regelmäßige Kundin in der
Bibliothek mit einer aktiven Karte und „wagt“ es tatsächlich,
fast täglich vorbei zu kommen und ans Internet zu gehen oder sich
Dinge auszuleihen.
Also,
gäbe es einen Preis für Dreistigkeit, Bärbel hätte ihn gewonnen.
Ich
bin fassungslos, jedes Mal, wenn ich sie sehe. Und wütend. Dass sie
so dreckig und hinterhältig ist und so tut, als sei nichts gewesen.
Was
geht in Leuten vor, die so abgebrüht sind?!
Hm,
bringt es was, wenn ich erwähnte, dass Bärbel ALG 2 – Empfängerin
ist? Vermutlich nicht.
Wie
bekommt man eigentlich Hartz 4, wenn man noch nie richtig gearbeitet
hat?!
Fragen
über Fragen und ich kann nur den Kopf schütteln, wenn ich solche
Menschen sehe…
Wie
oben erwähnt: Bärbel ist in meinem Alter.
Die
kann mir nicht erzählen, dass es nirgendwo Jobs oder Ausbildungen
für sie gibt.
Wenn
man die verdammte Zeitung aufschlägt, springen einem schon Angebote
ins Gesicht. Und sei es „nur“ in der Kosmetik!
Sowas
macht mich echt wütend.
Generell
fällt mir gerade auf: Menschen machen mich wütend. Weil sie so böse
und durchtrieben sind! Was stimmt denn nicht mit denen?!
Und
dann kommen die ausgerechnet in eine Bibliothek!
*puh*
Es
ist wirklich faszinierend, wie fast jeder meiner Einträge damit
endet, dass ich mich über die Gesellschaft aufrege (hier: über
faule, nichtsnutzige Jugendliche, die kriminell werden).
Lässt
sich anscheinend nicht vermeiden, wenn man Kundenkontakt hat.
Aber
traurig ist es auch. Ich wünschte, der Kontakt mit Menschen würde
immer respektvoll und freundlich ablaufen – wäre dies der Fall,
hätte ich jedoch nichts, worüber ich schreiben könnte…
Keine
Ahnung, Freunde.
Ich
werde tatsächlich müde, wenn ich mir über solche Fragen den Kopf
zerbreche. Denn besser wird es nicht. Eher schlimmer.
Und
wenn man nicht aufpasst, wird man selbst zum Opfer…
Bis
dahin
Schockt
die Massen – lest ein Buch
Eure
Sherry