Ich
hab schon in einigen Einträgen davon erzählt, wie lästig so manch
älterer Kunde sein kann…
Tatsächlich
lässt „Wolln wa ma nen Kaffe trinken“-Oppa mich (und, wie ich
neulich erfuhr, auch eine andere junge Kollegin) einfach nicht in
Ruhe!
Seine
Strategie:
- warten, bis die junge Dame alleine ist
- versuchen, sie in ein Gespräch zu verwickeln
- unangebrachte Komplimente machen
- …
- Erfolg! (oder auch nicht...)
Neulich
also folgendes Szenario:
Ich
hatte Dienst an der Auskunftstheke, mit einer Kollegin. Diese musste
mal eben wohin und ließ mich vorne alleine. So weit, so gut.
Dann
kam der „geile Oppa“ (oder, wie ich ihn eigentlich nenne: Der
Motten-Mann), dessen Geruch nach ungelüfteter Wohnung und
Mottenkugeln ich NIE WIEDER werde vergessen können. Als hätte sich
dieser Mief direkt in meine Nasenschleimhäute eingebrannt…
Bah!
Jedenfalls, Motten-Mann kam an. Fragte zunächst höflich nach den Zeitschriften, nach denen er immer fragt und blieb dann, nervig und unverschämt wie er nun einmal ist, an der Theke stehen und blätterte die Hefte gemütlich durch.
Bah!
Jedenfalls, Motten-Mann kam an. Fragte zunächst höflich nach den Zeitschriften, nach denen er immer fragt und blieb dann, nervig und unverschämt wie er nun einmal ist, an der Theke stehen und blätterte die Hefte gemütlich durch.
Ich
wurde immer angespannter…
Ich wusste ganz genau, es war nur eine Frage der Zeit, bis wieder IRGENDWAS BLÖDES von ihm käme…
Ich wusste ganz genau, es war nur eine Frage der Zeit, bis wieder IRGENDWAS BLÖDES von ihm käme…
Kaum
hatte ich den Gedanken zu Ende gedacht, öffnete er auch schon seine
Futterluke:
„Warn
Se im Urlaub? Sie warn so lange nich da!“, er grinste debil.
„Mh-mh.“,
machte ich nur. Und sah ihn nicht an. Ich blickte irgendwo links an
meinem Bildschirm vorbei und überlegte, wann meine Kollegin wohl
endlich zurück kehren würde.
„Warn
Se weg?“, fragte er.
Gooott.
Wenn ich an sein Gesicht denke, hab ich direkt diesen offen stehenden Mund und diesen ekligen, erwartungsvollen Gesichtsausdruck von ihm vor meinem geistigen Auge….
Wenn ich an sein Gesicht denke, hab ich direkt diesen offen stehenden Mund und diesen ekligen, erwartungsvollen Gesichtsausdruck von ihm vor meinem geistigen Auge….
„Ja.“,
sagte ich knapp. Mehr äußerte ich nicht.
Reichte
ihm wohl, für’s Erste. Ich hatte eigentlich erwartet, dass nun
eine Frage nach Details käme – aber nein.
Er murmelte nur irgendwas von dem heißen Wetter hier und dass man sowas am besten am Strand erträgt – vermutlich dachte er, er locke mich damit aus der Reserve, weil ich als junges Ding ganz sicher nen fetten Strand-Party-Urlaub gemacht hätte… (Hab ich nicht. Ätsch!) aber ich sagte nichts.
Er murmelte nur irgendwas von dem heißen Wetter hier und dass man sowas am besten am Strand erträgt – vermutlich dachte er, er locke mich damit aus der Reserve, weil ich als junges Ding ganz sicher nen fetten Strand-Party-Urlaub gemacht hätte… (Hab ich nicht. Ätsch!) aber ich sagte nichts.
Der
Tag, an dem mich Motten-Mann mal wieder mit seinem Besuch „beehrte“,
war übrigens ein sehr heißer. Wir hatten über 30 Grad draußen; und
drinnen, in den Räumen, war es auch nicht angenehmer.
Ich
trug also, um die Temperaturen zu ertragen, ein Sommerkleid mit
Blumen, das knapp vor meinen Knien endete.
Während
ich nun also an der Theke stand und angespannt wartete, dass
Motten-Mann nen Abgang macht, bemerkte ich aus dem Augenwinkel wie er
mir ständig Blicke zuwarf.
Er
blätterte seine Zeitschrift durch und bat um eine andere, für die
ich mich dann wieder bewegen musste, um sie ihm zu holen und
anzureichen.
Ich
gab sie ihm so schnell, dass man denken könnte, ich hätte mich an
dem Papier verbrannt… Und da hörte ich auch schon seinen
Kommentar:
„Schönes Kleid haben Se an. Steht Ihnen echt gut. Macht stark was her an Ihnen.“…
„Schönes Kleid haben Se an. Steht Ihnen echt gut. Macht stark was her an Ihnen.“…
Ich
beschloss, dieses Gebrabbel und diesen ekligen Blick, der auf diese Aussage folgte, zu ignorieren und sagte nichts. Das
Einzige, was ich dachte war „Ganz ruhig. In ein paar Jahren ist er
sicherlich tot. Dann musst du ihn nie wieder ertragen.“, was jetzt,
wenn man es liest, vermutlich unheimlich makaber klingt…
Aber
das ist die einzige Art und Weise, wie ich den Spaß an meinem Beruf
nicht verliere:
„Nervt
dich ein älterer Mitbürger? Ist er unhöflich? Eklig?
Keine
Panik!
In
ein paar Jahren ist er tot!“
Ich
atmete tief durch.
Motten-Mann
stand immer noch an der Theke.
Dass
ihm der Geifer nicht vom Kinn tropfte, war alles…
Und
dann, ENDLICH, kehrte meine Kollegin zurück. Und sobald ich nicht
mehr alleine war, hörte sein Gebrabbel und Gemurmel auf. An der
Theke blieb er trotzdem stehen und blätterte seelenruhig in seiner
Zeitschrift.
Irgendwann,
es kam mir vor wie STUNDEN, verschwand er dann endlich…
Ich
weiß, ich weiß, mein Verhalten ist alles andere als professionell
und ich hätte ihm wohl schon längst sagen müssen, dass seine
anzüglichen Kommentare fehl am Platz sind und ich hätte noch soooo
vieles tun und sagen müssen…
Aber
ganz ehrlich? Warum?
Ich
hasse es, dass ich genötigt werde, mich verteidigen zu müssen,
dass
dieser Sack mir überhaupt einen Grund gibt, dass ich mich unwohl
fühle,
dass
ich jetzt dreimal abwägen werde, ob ich dieses Kleid nochmal zur
Arbeit anziehen möchte, weil das vielleicht wieder Kommentare
hervorruft…
Ich
hasse es.
Und
hier wird es wieder gesellschaftlich: muss ich als Frau jederzeit
damit rechnen, dass ich mich vor notgeilen Oppas verteidigen muss,
wenn ich etwas Hübsches anziehe?
Darf
ich nur noch im Kartoffelsack und ungeschminkt aus dem Haus gehen,
damit mich Perverslinge nicht auf nen Kaffee oder SONST WAS einladen
wollen?
Ich
will mich nicht verteidigen müssen. Ich will nicht laut werden, oder
unhöflich. Und ich hasse den Motten-Mann und alle anderen Kunden,
die mich dazu zwingen.
Warum
kann man einander nicht mit Respekt begegnen? Warum werde ich, als
junge Frau, in so eine unangenehme Lage gebracht?
Ich
mach doch nur meinen verkackten Job!
*seufz*
Naja,
Gender-Debatten laufen zur Zeit rauf und runter, genauso wie alles
zum Thema „Sexuelle Belästigung“…
Die
einen sagen, sie sind der Thematik leid. Die anderen können gar
nicht genug darüber sprechen.
Und
ich bin der Meinung, solange es Typen wie den Motten-Mann gibt,
sollte an jedem öffentlichen Platz jemand mit nem Megafon stehen und
die ganze Zeit wiederholen, dass Frauen keine sexuellen Lustobjekte
sind… Und so weiter, und so fort…
Aber
sind wir mal ehrlich: Machos interessieren sich eh nicht für so ein
„feministisches Gewäsch“… Also wovon reden wir hier?
Ich
werde Motten-Mann noch ein wenig ertragen müssen (bis er endlich
stirbt…), werde aber hoffentlich nicht mehr allzu oft alleine
gelassen, da ich jedem Mitglied meines Teams schon Bescheid gegeben
habe.
Vielleicht
lässt er mich dann irgendwann endlich zu Frieden.
So.
Hab ich mich mal wieder aufgeregt!
Bis
dahin
schockt
die Massen – lest ein Buch!
Eure
Sherry