Freitag, 23. September 2016

Und täglich grüßt der geile Oppa

Ich hab schon in einigen Einträgen davon erzählt, wie lästig so manch älterer Kunde sein kann…
Tatsächlich lässt „Wolln wa ma nen Kaffe trinken“-Oppa mich (und, wie ich neulich erfuhr, auch eine andere junge Kollegin) einfach nicht in Ruhe!
Seine Strategie:
  • warten, bis die junge Dame alleine ist
  • versuchen, sie in ein Gespräch zu verwickeln
  • unangebrachte Komplimente machen
  • Erfolg! (oder auch nicht...)

Neulich also folgendes Szenario:
Ich hatte Dienst an der Auskunftstheke, mit einer Kollegin. Diese musste mal eben wohin und ließ mich vorne alleine. So weit, so gut.
Dann kam der „geile Oppa“ (oder, wie ich ihn eigentlich nenne: Der Motten-Mann), dessen Geruch nach ungelüfteter Wohnung und Mottenkugeln ich NIE WIEDER werde vergessen können. Als hätte sich dieser Mief direkt in meine Nasenschleimhäute eingebrannt…
Bah!
Jedenfalls, Motten-Mann kam an. Fragte zunächst höflich nach den Zeitschriften, nach denen er immer fragt und blieb dann, nervig und unverschämt wie er nun einmal ist, an der Theke stehen und blätterte die Hefte gemütlich durch.
Ich wurde immer angespannter…
Ich wusste ganz genau, es war nur eine Frage der Zeit, bis wieder IRGENDWAS BLÖDES von ihm käme…
Kaum hatte ich den Gedanken zu Ende gedacht, öffnete er auch schon seine Futterluke:
Warn Se im Urlaub? Sie warn so lange nich da!“, er grinste debil.
Mh-mh.“, machte ich nur. Und sah ihn nicht an. Ich blickte irgendwo links an meinem Bildschirm vorbei und überlegte, wann meine Kollegin wohl endlich zurück kehren würde.
Warn Se weg?“, fragte er.
Gooott.
Wenn ich an sein Gesicht denke, hab ich direkt diesen offen stehenden Mund und diesen ekligen, erwartungsvollen Gesichtsausdruck von ihm vor meinem geistigen Auge….
Ja.“, sagte ich knapp. Mehr äußerte ich nicht.
Reichte ihm wohl, für’s Erste. Ich hatte eigentlich erwartet, dass nun eine Frage nach Details käme – aber nein.
Er murmelte nur irgendwas von dem heißen Wetter hier und dass man sowas am besten am Strand erträgt – vermutlich dachte er, er locke mich damit aus der Reserve, weil ich als junges Ding ganz sicher nen fetten Strand-Party-Urlaub gemacht hätte… (Hab ich nicht. Ätsch!) aber ich sagte nichts.

Der Tag, an dem mich Motten-Mann mal wieder mit seinem Besuch „beehrte“, war übrigens ein sehr heißer. Wir hatten über 30 Grad draußen; und drinnen, in den Räumen, war es auch nicht angenehmer.
Ich trug also, um die Temperaturen zu ertragen, ein Sommerkleid mit Blumen, das knapp vor meinen Knien endete.

Während ich nun also an der Theke stand und angespannt wartete, dass Motten-Mann nen Abgang macht, bemerkte ich aus dem Augenwinkel wie er mir ständig Blicke zuwarf.
Er blätterte seine Zeitschrift durch und bat um eine andere, für die ich mich dann wieder bewegen musste, um sie ihm zu holen und anzureichen.
Ich gab sie ihm so schnell, dass man denken könnte, ich hätte mich an dem Papier verbrannt… Und da hörte ich auch schon seinen Kommentar:
„Schönes Kleid haben Se an. Steht Ihnen echt gut. Macht stark was her an Ihnen.“…
Ich beschloss, dieses Gebrabbel und diesen ekligen Blick, der auf diese Aussage folgte, zu ignorieren und sagte nichts. Das Einzige, was ich dachte war „Ganz ruhig. In ein paar Jahren ist er sicherlich tot. Dann musst du ihn nie wieder ertragen.“, was jetzt, wenn man es liest, vermutlich unheimlich makaber klingt…
Aber das ist die einzige Art und Weise, wie ich den Spaß an meinem Beruf nicht verliere:

Nervt dich ein älterer Mitbürger? Ist er unhöflich? Eklig?
Keine Panik!
In ein paar Jahren ist er tot!“

Ich atmete tief durch.
Motten-Mann stand immer noch an der Theke.
Dass ihm der Geifer nicht vom Kinn tropfte, war alles…
Und dann, ENDLICH, kehrte meine Kollegin zurück. Und sobald ich nicht mehr alleine war, hörte sein Gebrabbel und Gemurmel auf. An der Theke blieb er trotzdem stehen und blätterte seelenruhig in seiner Zeitschrift.

Irgendwann, es kam mir vor wie STUNDEN, verschwand er dann endlich…

Ich weiß, ich weiß, mein Verhalten ist alles andere als professionell und ich hätte ihm wohl schon längst sagen müssen, dass seine anzüglichen Kommentare fehl am Platz sind und ich hätte noch soooo vieles tun und sagen müssen…
Aber ganz ehrlich? Warum?
Ich hasse es, dass ich genötigt werde, mich verteidigen zu müssen,
dass dieser Sack mir überhaupt einen Grund gibt, dass ich mich unwohl fühle,
dass ich jetzt dreimal abwägen werde, ob ich dieses Kleid nochmal zur Arbeit anziehen möchte, weil das vielleicht wieder Kommentare hervorruft…
Ich hasse es.

Und hier wird es wieder gesellschaftlich: muss ich als Frau jederzeit damit rechnen, dass ich mich vor notgeilen Oppas verteidigen muss, wenn ich etwas Hübsches anziehe?
Darf ich nur noch im Kartoffelsack und ungeschminkt aus dem Haus gehen, damit mich Perverslinge nicht auf nen Kaffee oder SONST WAS einladen wollen?
Ich will mich nicht verteidigen müssen. Ich will nicht laut werden, oder unhöflich. Und ich hasse den Motten-Mann und alle anderen Kunden, die mich dazu zwingen.
Warum kann man einander nicht mit Respekt begegnen? Warum werde ich, als junge Frau, in so eine unangenehme Lage gebracht?
Ich mach doch nur meinen verkackten Job!

*seufz*

Naja, Gender-Debatten laufen zur Zeit rauf und runter, genauso wie alles zum Thema „Sexuelle Belästigung“…
Die einen sagen, sie sind der Thematik leid. Die anderen können gar nicht genug darüber sprechen.
Und ich bin der Meinung, solange es Typen wie den Motten-Mann gibt, sollte an jedem öffentlichen Platz jemand mit nem Megafon stehen und die ganze Zeit wiederholen, dass Frauen keine sexuellen Lustobjekte sind… Und so weiter, und so fort…

Aber sind wir mal ehrlich: Machos interessieren sich eh nicht für so ein „feministisches Gewäsch“… Also wovon reden wir hier?
Ich werde Motten-Mann noch ein wenig ertragen müssen (bis er endlich stirbt…), werde aber hoffentlich nicht mehr allzu oft alleine gelassen, da ich jedem Mitglied meines Teams schon Bescheid gegeben habe.
Vielleicht lässt er mich dann irgendwann endlich zu Frieden.

So. Hab ich mich mal wieder aufgeregt!

Bis dahin

schockt die Massen – lest ein Buch!

Eure Sherry