Donnerstag, 26. Januar 2017

Meine Ausbildung zur FaMI

Interesse, etwas über die Ausbildung einer FaMI zu erfahren?
Nicht?
Egal. Ich erzähl’s euch trotzdem (zumindest oberflächlich. Wenn euch Details interessieren, kann ich das gerne irgendwann einmal vertiefen):

wer sich dazu entschließt ein/e FaMI zu werden, sollte einiges wissen:

Es reicht nicht, wenn ihr bei dem Bewerbungsgespräch erwähnt, dass ihr gerne lest.
Zum LESEN werdet ihr nämlich nicht eingestellt (geschweige denn bezahlt!)
[viele gucken jetzt traurig, seufzen und beschließen, sich doch einen anderen Job zu suchen… WETTEN!?]
Ein Sinn für Ordnung und Fleiß sollte bei euch vorhanden sein. Spaß am Umgang mit Kunden (oder starke Nerven…) und Flexibilität, um darauf vorbereitet zu sein, mal zwischen den Schichten zu springen.
(Der letzte Punkt mag variieren. Ich glaube, jede Bibliothek behandelt ihre Auskunftsdienste unterschiedlich…)

Viele Städte schreiben auf ihren Homepages, dass ein Hauptschulabschluss reicht, um FaMI zu werden. Also traut euch!
Ich habe zwar mit einigen Lektoren gesprochen, die Hauptschüler größtenteils praktisch nur aus Zwang einladen und lieber Abiturienten vorziehen… Aber hey: seit wann sagen Schulformen oder Noten etwas über Intelligenz aus?
Wenn ihr euch nicht wie die kompletten Vollhonks benehmt, euer Zeugnis nicht nur aus 4 und 5 besteht und ihr auch nur ein wenig Interesse an dem Job zeigt, dürfte euch eigentlich nichts mehr im Wege stehen…
Zeigt der Welt, dass unser Schulsystem nichts über Intelligenz oder Qualifikation aussagen kann!
(Ich kenne studierte Leute, die in ihrem Leben nichts auf die Reihe bekommen, aber mir auswendig ihr ganzes Studium herunter leiern können. Na, ob die jetzt schlauer sind als ich?)

Ihr habt 3 Jahre vor euch, in denen ihr regelmäßig im Betrieb arbeiten und eine Berufsschule besuchen werdet – also eine DUALE AUSBILDUNG. Bei mir waren es zwei Tage Schule und drei Tage Arbeit.
Und nachdem man einmal die Hochschulreife erreicht hat, war die Berufsschule eher ein Klacks als wirkliche Anstrengung. Ging dann so weit, dass mich das Berufskolleg einfach nur noch langweilte und ich viel lieber Arbeiten gegangen bin…
Aber nun gut.
Muss ja jeder für sich selbst entscheiden!

Ich kann ja hier mal einfügen, was meine Stadt zu den Tätigkeiten eines/er FaMI sagt:

Aufgaben und Tätigkeiten im Einzelnen

  • Mitarbeit bei Bestandsaufbau und -pflege in der Bibliothek
  • Auswahl von Neuanschaffungen anhand von Bibliographien, Verlagskatalogen beziehungsweise Vorschlags- und Auswahllisten
    (Ehrlich? Sowas hab ich nie gemacht.. Das machen bei uns die Lektoren! Keine FaMIs!)
  • Materialien bestellen, Liefer- und Rechnungskontrolle durchführen und Neuzugänge inventarisieren beziehungsweise registrieren
  • Bestandserschließung
  • Medien formal und inhaltlich bibliothekarisch aufbereiten durch Titelaufnahme, Klassifizierung, Schlagwortzuteilung sowie Katalogarbeiten
    (Wieder so ein Fall: die Lektoren vergeben die Schlagworte… Wir machen nur den Kleinkram…)
  • Im Benutzerservice mitwirken
    (Ugh….)
  • BibliotheksbenutzerInnen beraten, sowohl fachlich-inhaltlich als auch zum Beispiel hinsichtlich des korrekten Gebrauchs von Fiche-Lesegeräten, Datenbanken zur Selbstinformation oder Abspielgeräten für audiovisuelle Medien
    (Fiche?! FICHE?! Ich glaub, sowas besitzen wir nicht mal mehr… Wissen Leute, die im Jahr 2000 geboren sind noch, was Mikrofiche sind?!)
  • An- und Abmeldungen von Benutzern und Benutzerinnen bearbeiten
  • Benutzerverzeichnisse und Ausleihnachweise führen (als Kartei oder elektronisch)
    (Elektronisch. Definitiv. Keiner schreibt sowas mehr auf Karteikarten…)
  • BenutzerInnen und benutzte Medien registrieren
  • Verwalten und organisieren
  • Mitarbeit bei Veranstaltungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene
    (Nur, wenn ihr Pech habt…. ;D)
  • Allgemeinen Schriftverkehr sicherstellen
    (You whOt, mate? Meint ihr damit, Emails lesen und speichern? Oder was?)
  • Statistiken auswerten
    (Was? Hab ich höchstens in meiner Ausbildung EINMAL gemacht. Sonst nie wieder.)
  • Belege, Dokumente und anderes Schriftgut verwalten
  • Akten führen
  • Im Haushalts- und Rechnungswesen mitarbeiten, zum Beispiel Zahlstelle führen
(Nice ey… Ich frage mich, wer das erstellt hat…)

Im Laufe meiner Ausbildung musste ich natürlich alle Bereiche einer öffentlichen Bibliothek durchlaufen – wirklich ALLE. Sogar solche, mit denen KEIN/E FaMI später im Beruf zu tun hat… Aber man soll ja einen Einblick in alle Tätigkeiten im Betrieb bekommen…

Was bei der Ausbildung zum/zur FaMI noch interessant ist, mag vor allem mit den unterschiedlichen Berufsrichtungen zusammen hängen. Ihr könnt euch zwischen öffentlicher Bibliothek, Archiv, medizinischer Dokumentation, wissenschaftlicher Bibliothek und dem Bildarchiv entscheiden.
Da ich mich nun für eine Ausbildung in der öffentlichen Bibliothek entschieden habe, durfte ich aber Praktika in zwei weiteren Bereichen machen. In meinem Fall waren das das Archiv und die wissenschaftliche Bibliothek.

Das Archiv war für mich ein TRAUM. Und ich kann es jedem ans Herz legen, der nicht so ultra viel Bock auf Kundenkontakt, dafür umso mehr Spaß an der Vergangenheit und/oder Stammbäumen und Co. hat! Mega cool! Ich durfte sogar TRANSKRIBIEREN!
Mittlerweile glaube ich aber, dass Archive nur noch Leute mit abgeschlossenem Studium in Richtung Archiv in Vollzeit einstellen… Da FaMIs dort nur eine Teilzeitbeschäftigung erhalten…
Aber hört euch doch mal in eurer Stadt um!

Die wissenschaftliche Bibliothek war in meinen Augen seeeehr trocken.
Was erwartet man auch an einem Platz, an dem sich nur Studenten und dicke Lehrbücher tummeln? Jegliche Ausleihen in der Uni-Bib. waren leider sehr langweilig und unspektakulär und auch sonst wenig interessant.
Ich hab mir, durch das ständige Nachfragen zu ALLEM, was mich auch nur MINIMAL interessieren könnte, die Zeit ein wenig verschönert, da die Mitarbeiter mir sehr gerne erklärten wie der Weg zum Beruf in einer wissenschaftlichen Bibliothek genau abläuft.
Hier steht nun auch wieder im Vordergrund: wer nicht SO VIEL Bock auf Kunden hat, aber nette Studenten kennen lernen möchte ( ;) ), der wäre in einer wissenschaftlichen Bibliothek vermutlich gut aufgehoben… Aber nicht vergessen: wirklich interessante Medien gibt es da nicht unbedingt, wenn ihr nicht gerade studiert.
(Obwohl sich natürlich auch in einer wissenschaftlichen Bib. das ein oder andere Bisschen an Belletristik und co. finden lassen – aber die Auswahl ist recht überschaubar.)

Tatsächlich hab ich sogar, in gewisser Weise, auch einen dritten Zweig, nämlich das Bildarchiv kennen gelernt.
Hauptsächlich bearbeitete ich alte Fotos oder sah dabei zu, wie bestellte Bilder fertig gemacht wurden… Sehr viel mehr gab es da leider nicht zu sehen – sonst wären die Informationen interessanter…
Aber hey: ich durfte mit Photoshop arbeiten und hatte so gesehen „kreative“ Arbeit – die digitale Entfernung von Staubkörnern auf alten schwarz-weiß-Fotos ist ja SO! COOL! :D

So viel also zu den drei Zweigen, die ich sehen durfte. Tatsächlich heißt das, dass mir nur die medizinische Dokumentation verwehrt blieb…
Aber großartig viel Lust auf Patientenakten und das Ordnen dieser hätte ich jetzt auch nicht so richtig gehabt… Außerdem find ich Krankenhäuser irgendwie unangenehm… Hm :/

Mann, mann, mann… Ganz schön durcheinander, meine Erklärung zum FaMI-Beruf…
Und ich wette, dass ich im Nachhinein feststellen werde, dass ich MEGA VIEL vergessen hab…

Aber wofür ist ein Blog gut, wenn nicht für die Möglichkeit, Infos zur gegebenen Zeit noch in einem anderen Post zu vertiefen? ;)

Jetzt habt ihr wenigstens ein gewisses Grundwissen (?) anhand dessen ihr feststellen könnt, ob der Job auch nur im ENTFERNTESTEN für euch in Frage kommt.
(Oah ja, ich weiß: „Du hast gar nichts über Geld gesagt! Was verdient man denn?!“, „Gibt es Weiterbildungsmöglichkeiten?!“, „Wo bewirbt man sich denn da überhaupt?!“ … gnarf.
Wenn mir diese Dinge jetzt schon aufgefallen sind, beantworte ich sie noch eben kurz:
Zu Frage 1): FaMIs sind Angestellte der Stadt und werden nach Tarif bezahlt. Das ändert sich natürlich immer in Abhängigkeit der Tarifverhandlungen…
Momentan verdient ein/e FaMI bei uns im 1. Jahr 918,26€ Brutto, im 2. 968,20€ und im 3. 1014,02€ - also gar nicht mal sooooo scheiße. Gibt Schlimmeres!
Zu 2): Ja, die gibt es. Es gibt den Fachwirt, den, glaub ich, alle FaMIs machen können… (hab mich da nichts so genau informiert, weil mein Ausbilder mal sagte, damit könne man eh nix anfangen) Und es gibt die Möglichkeit, zu studieren. Das könnte ihr vor bzw. anstelle der Ausbildung machen. Dann könntet ihr nämlich „Bibliothekswesen“ studieren. Wird zur Zeit in Köln angeboten. Ein Berufsbegleitendes Studium NACH der Ausbildung könnt ihr in Hannover absolvieren… Für mich persönlich ist der Gedanke, alle 3 Wochen für das ganze WE nach Hannover zu fahren, nicht so geil.. Aber naja.
Zu 3): Ihr bewerbt euch bei der Stadt. Sobald die Fristen wieder beginnen, könnt ihr euch auf der Homepage eurer Lieblingsstadt erkunden, ob die eine Ausbildung zum/zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste anbieten.

Bitte. Gern geschehen.
Bis zum nächsten Mal!

Schockt die Massen – lest ein Buch!

Eure Sherry