Interesse,
etwas über die Ausbildung einer FaMI zu erfahren?
…
Nicht?
Egal.
Ich erzähl’s euch trotzdem (zumindest oberflächlich. Wenn euch
Details interessieren, kann ich das gerne irgendwann einmal
vertiefen):
wer
sich dazu entschließt ein/e FaMI zu werden, sollte einiges wissen:
Es
reicht nicht, wenn ihr bei dem Bewerbungsgespräch erwähnt, dass ihr
gerne lest.
Zum
LESEN werdet ihr nämlich nicht eingestellt (geschweige denn
bezahlt!)
[viele
gucken jetzt traurig, seufzen und beschließen, sich doch einen
anderen Job zu suchen… WETTEN!?]
Ein
Sinn für Ordnung und Fleiß sollte bei euch vorhanden sein. Spaß am
Umgang mit Kunden (oder starke Nerven…) und Flexibilität, um
darauf vorbereitet zu sein, mal zwischen den Schichten zu springen.
(Der
letzte Punkt mag variieren. Ich glaube, jede Bibliothek behandelt
ihre Auskunftsdienste unterschiedlich…)
Viele
Städte schreiben auf ihren Homepages, dass ein Hauptschulabschluss
reicht, um FaMI zu werden. Also traut euch!
Ich
habe zwar mit einigen Lektoren gesprochen, die Hauptschüler
größtenteils praktisch nur aus Zwang einladen und lieber
Abiturienten vorziehen… Aber hey: seit wann sagen Schulformen oder
Noten etwas über Intelligenz aus?
Wenn
ihr euch nicht wie die kompletten Vollhonks benehmt, euer Zeugnis
nicht nur aus 4 und 5 besteht und ihr auch nur ein wenig Interesse an
dem Job zeigt, dürfte euch eigentlich nichts mehr im Wege stehen…
Zeigt
der Welt, dass unser Schulsystem nichts über Intelligenz oder
Qualifikation aussagen kann!
(Ich
kenne studierte Leute, die in ihrem Leben nichts auf die Reihe
bekommen, aber mir auswendig ihr ganzes Studium herunter leiern
können. Na, ob die jetzt schlauer sind als ich?)
Ihr
habt 3 Jahre vor euch, in denen ihr regelmäßig im Betrieb arbeiten
und eine Berufsschule besuchen werdet – also eine DUALE AUSBILDUNG.
Bei mir waren es zwei Tage Schule und drei Tage Arbeit.
Und
nachdem man einmal die Hochschulreife erreicht hat, war die
Berufsschule eher ein Klacks als wirkliche Anstrengung. Ging dann so
weit, dass mich das Berufskolleg einfach nur noch langweilte und ich
viel lieber Arbeiten gegangen bin…
Aber
nun gut.
Muss
ja jeder für sich selbst entscheiden!
Ich
kann ja hier mal einfügen, was meine Stadt zu den Tätigkeiten eines/er FaMI sagt:
Aufgaben und Tätigkeiten im Einzelnen
- Mitarbeit bei Bestandsaufbau und -pflege in der Bibliothek
- Auswahl von Neuanschaffungen anhand von Bibliographien, Verlagskatalogen beziehungsweise Vorschlags- und Auswahllisten
(Ehrlich? Sowas hab ich nie gemacht.. Das machen bei uns die Lektoren! Keine FaMIs!) - Materialien bestellen, Liefer- und Rechnungskontrolle durchführen und Neuzugänge inventarisieren beziehungsweise registrieren
- Bestandserschließung
- Medien formal und inhaltlich bibliothekarisch aufbereiten durch Titelaufnahme, Klassifizierung, Schlagwortzuteilung sowie Katalogarbeiten
(Wieder so ein Fall: die Lektoren vergeben die Schlagworte… Wir machen nur den Kleinkram…) - Im Benutzerservice mitwirken
(Ugh….) - BibliotheksbenutzerInnen beraten, sowohl fachlich-inhaltlich als auch zum Beispiel hinsichtlich des korrekten Gebrauchs von Fiche-Lesegeräten, Datenbanken zur Selbstinformation oder Abspielgeräten für audiovisuelle Medien
(Fiche?! FICHE?! Ich glaub, sowas besitzen wir nicht mal mehr… Wissen Leute, die im Jahr 2000 geboren sind noch, was Mikrofiche sind?!) - An- und Abmeldungen von Benutzern und Benutzerinnen bearbeiten
- Benutzerverzeichnisse und Ausleihnachweise führen (als Kartei oder elektronisch)
(Elektronisch. Definitiv. Keiner schreibt sowas mehr auf Karteikarten…) - BenutzerInnen und benutzte Medien registrieren
- Verwalten und organisieren
- Mitarbeit bei Veranstaltungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene
(Nur, wenn ihr Pech habt…. ;D) - Allgemeinen Schriftverkehr sicherstellen
(You whOt, mate? Meint ihr damit, Emails lesen und speichern? Oder was?) - Statistiken auswerten
(Was? Hab ich höchstens in meiner Ausbildung EINMAL gemacht. Sonst nie wieder.) - Belege, Dokumente und anderes Schriftgut verwalten
- Akten führen
- Im Haushalts- und Rechnungswesen mitarbeiten, zum Beispiel Zahlstelle führen
(Nice ey… Ich frage mich, wer das
erstellt hat…)
Im
Laufe meiner Ausbildung musste ich natürlich alle Bereiche einer
öffentlichen Bibliothek durchlaufen – wirklich ALLE. Sogar solche,
mit denen KEIN/E FaMI später im Beruf zu tun hat… Aber man soll ja
einen Einblick in alle Tätigkeiten im Betrieb bekommen…
Was
bei der Ausbildung zum/zur FaMI noch interessant ist, mag vor allem
mit den unterschiedlichen Berufsrichtungen zusammen hängen. Ihr
könnt euch zwischen öffentlicher Bibliothek, Archiv, medizinischer
Dokumentation, wissenschaftlicher Bibliothek und dem Bildarchiv
entscheiden.
Da
ich mich nun für eine Ausbildung in der öffentlichen Bibliothek
entschieden habe, durfte ich aber Praktika in zwei weiteren Bereichen
machen. In meinem Fall waren das das Archiv und die wissenschaftliche
Bibliothek.
Das
Archiv war für mich ein TRAUM. Und ich kann es jedem ans Herz legen,
der nicht so ultra viel Bock auf Kundenkontakt, dafür umso mehr Spaß
an der Vergangenheit und/oder Stammbäumen und Co. hat! Mega cool!
Ich durfte sogar TRANSKRIBIEREN!
Mittlerweile
glaube ich aber, dass Archive nur noch Leute mit abgeschlossenem
Studium in Richtung Archiv in Vollzeit einstellen… Da FaMIs dort
nur eine Teilzeitbeschäftigung erhalten…
Aber
hört euch doch mal in eurer Stadt um!
Die
wissenschaftliche Bibliothek war in meinen Augen seeeehr trocken.
Was
erwartet man auch an einem Platz, an dem sich nur Studenten und dicke
Lehrbücher tummeln? Jegliche Ausleihen in der Uni-Bib. waren leider
sehr langweilig und unspektakulär und auch sonst wenig interessant.
Ich
hab mir, durch das ständige Nachfragen zu ALLEM, was mich auch nur
MINIMAL interessieren könnte, die Zeit ein wenig verschönert, da
die Mitarbeiter mir sehr gerne erklärten wie der Weg zum Beruf in
einer wissenschaftlichen Bibliothek genau abläuft.
Hier
steht nun auch wieder im Vordergrund: wer nicht SO VIEL Bock auf
Kunden hat, aber nette Studenten kennen lernen möchte ( ;) ), der
wäre in einer wissenschaftlichen Bibliothek vermutlich gut
aufgehoben… Aber nicht vergessen: wirklich interessante Medien gibt
es da nicht unbedingt, wenn ihr nicht gerade studiert.
(Obwohl
sich natürlich auch in einer wissenschaftlichen Bib. das ein oder
andere Bisschen an Belletristik und co. finden lassen – aber die
Auswahl ist recht überschaubar.)
Tatsächlich
hab ich sogar, in gewisser Weise, auch einen dritten Zweig, nämlich
das Bildarchiv kennen gelernt.
Hauptsächlich
bearbeitete ich alte Fotos oder sah dabei zu, wie bestellte Bilder
fertig gemacht wurden… Sehr viel mehr gab es da leider nicht zu
sehen – sonst wären die Informationen interessanter…
Aber
hey: ich durfte mit Photoshop arbeiten und hatte so gesehen
„kreative“ Arbeit – die digitale Entfernung von Staubkörnern
auf alten schwarz-weiß-Fotos ist ja SO! COOL! :D
So
viel also zu den drei Zweigen, die ich sehen durfte. Tatsächlich
heißt das, dass mir nur die medizinische Dokumentation verwehrt
blieb…
Aber
großartig viel Lust auf Patientenakten und das Ordnen dieser hätte
ich jetzt auch nicht so richtig gehabt… Außerdem find ich
Krankenhäuser irgendwie unangenehm… Hm :/
Mann,
mann, mann… Ganz schön durcheinander, meine Erklärung zum
FaMI-Beruf…
Und
ich wette, dass ich im Nachhinein feststellen werde, dass ich MEGA
VIEL vergessen hab…
Aber
wofür ist ein Blog gut, wenn nicht für die Möglichkeit, Infos zur
gegebenen Zeit noch in einem anderen Post zu vertiefen? ;)
Jetzt
habt ihr wenigstens ein gewisses Grundwissen (?) anhand dessen ihr
feststellen könnt, ob der Job auch nur im ENTFERNTESTEN für euch
in Frage kommt.
(Oah
ja, ich weiß: „Du hast gar nichts über Geld gesagt! Was verdient
man denn?!“, „Gibt es Weiterbildungsmöglichkeiten?!“, „Wo
bewirbt man sich denn da überhaupt?!“ … gnarf.
Wenn
mir diese Dinge jetzt schon aufgefallen sind, beantworte ich sie noch
eben kurz:
Zu
Frage 1): FaMIs sind Angestellte der Stadt und werden nach Tarif
bezahlt. Das ändert sich natürlich immer in Abhängigkeit der
Tarifverhandlungen…
Momentan
verdient ein/e FaMI bei uns im 1. Jahr 918,26€ Brutto, im 2.
968,20€ und im 3. 1014,02€ - also gar nicht mal sooooo scheiße.
Gibt Schlimmeres!
Zu
2): Ja, die gibt es. Es gibt den Fachwirt, den, glaub ich, alle FaMIs
machen können… (hab mich da nichts so genau informiert, weil mein
Ausbilder mal sagte, damit könne man eh nix anfangen) Und es gibt
die Möglichkeit, zu studieren. Das könnte ihr vor bzw. anstelle der
Ausbildung machen. Dann könntet ihr nämlich „Bibliothekswesen“
studieren. Wird zur Zeit in Köln angeboten. Ein Berufsbegleitendes
Studium NACH der Ausbildung könnt ihr in Hannover absolvieren… Für
mich persönlich ist der Gedanke, alle 3 Wochen für das ganze WE
nach Hannover zu fahren, nicht so geil.. Aber naja.
Zu
3): Ihr bewerbt euch bei der Stadt. Sobald die Fristen wieder
beginnen, könnt ihr euch auf der Homepage eurer Lieblingsstadt
erkunden, ob die eine Ausbildung zum/zur Fachangestellten für
Medien- und Informationsdienste anbieten.
Bitte.
Gern geschehen.
Bis
zum nächsten Mal!
Schockt
die Massen – lest ein Buch!
Eure
Sherry