Donnerstag, 16. Februar 2017

Stalker... oder gestört? Vermutlich beides!

Auf unserer Etage in der Bibliothek befinden sich Zeitschriften und Zeitungen.
Das bedeutet natürlich, dass wir hier vor allem all jene anlocken, die den ganzen lieben langen Tag nichts anderes tun, als Zeitung zu lesen.
So weit, so gut.

Dass die, meist älteren, Herren gerne und den ganzen Tag lesen ist auch gar nicht das Problem – viele dieser Leser fallen mir gar nicht wirklich auf (erst, wenn ihr Stammplatz plötzlich leer bleibt… ;( ).
Aber einige… EINIGE… die haben echt gelitten.

Erinnert ihr euch noch an den „Internet-Opi“? Der, der immer fragt, ob wir Internet haben…
Der gehörte eigentlich auch eher zu den Lesern bzw. Nutzern, die nicht sonderlich auffallen.
Er surfte einfach ne Runde und dann las er den ganze Tag in irgendeiner Ecke Zeitung.

Ich wusste nicht, dass Rentner zu den Nomaden gehören können…
Denn Internet-Opi änderte plötzlich sein Hauptquartier und setzte sich plötzlich auf einen Drehstuhl, gegenüber der Ausleihtheke.
Das ist jetzt eigentlich nicht so tragisch: man kann sich mit dem Drehstuhl ja wunderbar zum Fenster drehen und das bunte Treiben draußen auf dem Marktplatz beobachten.
Nicht so unser Internet-Opi. Der hat beschlossen, dem Fenster den Rücken zu kehren und lieber uns zu fixieren. Dabei hält er die Zeitung auch immer genau SO hoch, dass es gar nicht richtig auffällt ob er jetzt liest, oder uns beobachtet.
Mega. Creepy.

Da hätten wir also Stalker eins.
Ein anderer älterer Herr hat es sich zur Gewohnheit gemacht, immer sehr, sehr nah und vor allem LANGSAM an der Auskunftstheke vorbeizulaufen, sodass man als Angestellter immer den Impuls hat Auskunft zu erteilen…
Bzw. man hat das Gefühl, er möchte was und kommt zur Theke… Aber nein.
Er schleicht humpelnd vorbei und, jedenfalls geht es mir so, man steht da wie bestellt und nicht abgeholt…
(„Aber… Aber… Ich wollte doch helfen! *heul*“)
Ich würde im Übrigen darauf wetten, dass auch er es genießt, ein paar Gesprächsfetzen von uns aufzufangen: man kann sich ja so schön über städtische Mitarbeiter aufregen! Und wenn man die dann auch noch belangloses Zeug quatschen hört, hat man am Stammtisch wieder was zu erzählen!
So viel also zu Stalker zwei.

Stalker drei ist ein gestörter Kunde.
Einer, der schon mehrmals für einige Zeit ein Hausverbot erteilt bekommen hat, weil er ständig mit irgendetwas Miesem aufgefallen war…
Denn auch er liebte es, die Mitarbeiter zu beobachten und zu belauschen.
Aus einem Drehstuhl heraus.
Den er in unsere Richtung drehte.
Er strengte sich dabei gar nicht an, besonders interessiert an einem Zeitungsbericht zu wirken…
Manchmal hielt er zwar ein Buch oder eine Zeitung in der Hand, starrte aber zu 90% immer an die Theke und schaute nur weg, wenn einer von uns ihn ansah…
DAS war vielleicht gruselig…
So manches verächtliche Schnauben kam auch mal aus seiner Richtung und… naja, wer findet es schon cool, wenn man die ganze Zeit beobachtet wird!?
ICH nicht… Das kann ich euch sagen.

Ich trau so einigen Opas hier nicht…
Man hat manchmal das Gefühl, die WARTEN nur darauf, dir DEINEN Tag zu vermiesen.
Weil sie frustrierte kleine Würstchen sind… Mann!

Aber überhaupt: Haben die keine Erziehung genossen?
Das frag ich mich bei dieser älteren Generation in letzter Zeit STÄNDIG!
Ich dachte, die Kinder damals wurden alle immer verkloppt… Wurden denen keine Manieren eingeprügelt? Oder haben die das alles verdrängt?
Sind die Rentner von heute, traumatisierte Kinder von damals, die ihre Kinderstube verdrängt haben oder sie verarbeiten mussten und dadurch jetzt keinen Krümel Anstand mehr haben!?

Fragen über Fragen…
Oh, ich sollte nicht so viel erzählen! Der Opa von Gegenüber guckt schon wieder…

Bis dahin

Schockt die Massen – lest ein Buch


Eure Sherry