Auf
unserer Etage in der Bibliothek befinden sich Zeitschriften und
Zeitungen.
Das
bedeutet natürlich, dass wir hier vor allem all jene anlocken, die
den ganzen lieben langen Tag nichts anderes tun, als Zeitung zu
lesen.
So
weit, so gut.
Dass
die, meist älteren, Herren gerne und den ganzen Tag lesen ist auch
gar nicht das Problem – viele dieser Leser fallen mir gar nicht
wirklich auf (erst, wenn ihr Stammplatz plötzlich leer bleibt… ;(
).
Aber
einige… EINIGE… die haben echt gelitten.
Erinnert
ihr euch noch an den „Internet-Opi“? Der, der immer fragt, ob wir
Internet haben…
Der
gehörte eigentlich auch eher zu den Lesern bzw. Nutzern, die nicht
sonderlich auffallen.
Er
surfte einfach ne Runde und dann las er den ganze Tag in irgendeiner
Ecke Zeitung.
Ich
wusste nicht, dass Rentner zu den Nomaden gehören können…
Denn
Internet-Opi änderte plötzlich sein Hauptquartier und setzte sich
plötzlich auf einen Drehstuhl, gegenüber der Ausleihtheke.
Das
ist jetzt eigentlich nicht so tragisch: man kann sich mit dem
Drehstuhl ja wunderbar zum Fenster drehen und das bunte Treiben
draußen auf dem Marktplatz beobachten.
…
Nicht
so unser Internet-Opi. Der hat beschlossen, dem Fenster den Rücken
zu kehren und lieber uns zu fixieren. Dabei hält er die Zeitung auch
immer genau SO hoch, dass es gar nicht richtig auffällt ob er jetzt
liest, oder uns beobachtet.
Mega.
Creepy.
Da
hätten wir also Stalker eins.
Ein
anderer älterer Herr hat es sich zur Gewohnheit gemacht, immer sehr,
sehr nah und vor allem LANGSAM an der Auskunftstheke vorbeizulaufen,
sodass man als Angestellter immer den Impuls hat Auskunft zu
erteilen…
Bzw.
man hat das Gefühl, er möchte was und kommt zur Theke… Aber nein.
Er
schleicht humpelnd vorbei und, jedenfalls geht es mir so, man steht
da wie bestellt und nicht abgeholt…
(„Aber…
Aber… Ich wollte doch helfen! *heul*“)
Ich
würde im Übrigen darauf wetten, dass auch er es genießt, ein paar
Gesprächsfetzen von uns aufzufangen: man kann sich ja so schön über
städtische Mitarbeiter aufregen! Und wenn man die dann auch noch
belangloses Zeug quatschen hört, hat man am Stammtisch wieder was zu
erzählen!
So
viel also zu Stalker zwei.
Stalker
drei ist ein gestörter Kunde.
Einer,
der schon mehrmals für einige Zeit ein Hausverbot erteilt bekommen
hat, weil er ständig mit irgendetwas Miesem aufgefallen war…
Denn
auch er liebte es, die Mitarbeiter zu beobachten und zu belauschen.
Aus
einem Drehstuhl heraus.
Den
er in unsere Richtung drehte.
Er
strengte sich dabei gar nicht an, besonders interessiert an einem
Zeitungsbericht zu wirken…
Manchmal
hielt er zwar ein Buch oder eine Zeitung in der Hand, starrte aber zu
90% immer an die Theke und schaute nur weg, wenn einer von uns ihn
ansah…
DAS
war vielleicht gruselig…
So
manches verächtliche Schnauben kam auch mal aus seiner Richtung und…
naja, wer findet es schon cool, wenn man die ganze Zeit beobachtet
wird!?
ICH
nicht… Das kann ich euch sagen.
Ich
trau so einigen Opas hier nicht…
Man
hat manchmal das Gefühl, die WARTEN nur darauf, dir DEINEN Tag zu
vermiesen.
Weil
sie frustrierte kleine Würstchen sind… Mann!
Aber
überhaupt: Haben die keine Erziehung genossen?
Das
frag ich mich bei dieser älteren Generation in letzter Zeit STÄNDIG!
Ich
dachte, die Kinder damals wurden alle immer verkloppt… Wurden denen
keine Manieren eingeprügelt? Oder haben die das alles verdrängt?
Sind
die Rentner von heute, traumatisierte Kinder von damals, die ihre
Kinderstube verdrängt haben oder sie verarbeiten mussten und dadurch
jetzt keinen Krümel Anstand mehr haben!?
Fragen
über Fragen…
Oh,
ich sollte nicht so viel erzählen! Der Opa von Gegenüber guckt
schon wieder…
Bis
dahin
Schockt
die Massen – lest ein Buch
Eure
Sherry