Diese
Jugend, immer!
Was
mir an meinem Blog mal so aufgefallen ist, ist Folgendes:
wenn
ich mich schon beschwere, dann nur seeeeehr, sehr selten über Kinder
bzw. Jugendliche. Mich nerven tatsächlich all die Erwachsenen und
Senioren, die frustrierte kleine Würste sind und ihre negative
Stimmung an mir und meinen Kollegen auslassen.
Da
halte ich mich auch immer sehr zurück, wenn die Ü50 Generation
anfängt, sich über Jugendliche zu beschweren…
Dazu
eine kleine Geschichte von, ihr habt es erraten, „Neulich“:
Ich
stand mit meiner Kollegin an der Theke, wir hatten gerade eine kleine
Verschnaufpause, da ansonsten reger Betrieb herrschte.
Plötzlich
kam eine Kundin zu uns mit den Worten: „Also, ich muss mich jetzt
wirklich mal beschweren“…
Da
diese Frau aus dem EG kam und ich sie auch sonst noch nie gesehen
hatte, war ich gespannt – wir konnten an nichts schuld sein, was
sie gerade nervte.
„Also
das kann ja wohl nicht sein, dass diese Jugendlichen da unten so laut
sind! Die spielen da an den Handys oder spielen mit Karten, die laden
ihre blöden Telefone an den Steckdosen auf und klauen den Strom –
nicht EINER von denen hat ein Buch in der Hand! Das ist hier doch
kein Jugendzentrum! Ich kann mich beim Aussuchen meiner Bücher gar
nicht mehr konzentrieren! Und überhaupt, KEINER verweilt mehr gerne
in der Bibliothek! Ich kenn mindestens 5 Leute, die gesagt haben, sie
kommen nicht mehr! Und wenn, dann geben sie nur schnell die Bücher
ab und holen sich neue und verschwinden ganz fix!
Das
spricht sich langsam herum, merken sie das? Es kommt fast keiner
mehr! Das ist hier doch kein Jugendzentrum!“
Vorsichtig
sah ich mich, während sie diesen wunderbaren Monolog mit sich
führte, in unserer Etage um. An all den Plätzen in unserem
„Lesesaal“ saßen ältere Herrschaften, die in Ruhe Zeitungen und
Bücher lasen. Im Schülercenter lernten Schüler und Studenten
schweigend. Auch sonst war es in unserer Etage, bis auf die
Nörglerin, ziemlich ruhig.
Plötzlich
klinkte sich ein Leser, ein junger Mann, unkonventionell gekleidet,
der gerade aus dem EG hochgekommen war, in das Gespräch ein.
„Ich
hab den Jungs jetzt gesagt, sie sollen bitte leise sein. Die haben
beteuert, zur Not lernen sie auch Gebärdensprache.“
Die
Frau schaute verdattert. Ich hätte fast losgeprustet.
Aber
so schnell, wie sie aus der Bahn geworfen wurde, fand sie auch wieder
in ihre Spur zurück. Es ging wieder los mit Jugendzentrum,
Lautstärke, ihrer Clique aus „Wir kommen nicht mehr, weil Jugend
zu laut“-Leuten und damit, dass sie aus Köln kommt und da ja alles
besser wäre.
Und
dass sie ja eigentlich jede Woche mindestens 2-3 Mal hier ist und das
IMMER so schrecklich hier ist und dass sie sich auch unten schon
beschwert hat und bla.
Sie
lieferte sich mit dem jungen Mann tatsächlich eine interessante
Diskussion, während meine Kollegin und ich nur zuschauten wie bei
nem spannenden Krimi.
Wie
sollten wir der Frau und ihren 5 gestörten (also weil gestört durch
Lärm!) Freunden auch helfen? Wir freuen uns über jeden Jugendlichen
in der Bibliothek.
Immerhin
ist das die Zukunft. In gut 30 Jahren müssen wir darauf hoffen, dass
die immer noch gerne herkommen. Wohingegen die 6 aufmuckenden Leute
in 30 Jahren… naja, hoffen wir, dass sie noch so weit fit sind,
dass sie selbständig laufen und essen können.
Klar,
man könnte jetzt sagen: „Irgendwo hat die Dame aber Recht – laut
und störend sollten die jungen Leute nicht sein!“ – sehr
richtig. Waren se auch nicht.
Bzw.
okay, eine Gruppe war es wohl schon, die wurde aber schnell
hinausgeworfen.
Die
anderen, die Karten spielten oder an ihren Handys und diese aufluden…
Die haben nicht einen Mucks gemacht.
Die
nörgelnde Frau gehört wohl zu diesen „Master Race“-Leuten…
Also zu Leuten, die ein bestimmtes Hobby haben und sich dadurch
elitär fühlen. So, wie es die kleinen Machtkämpfe zwischen
Konsolen- und PC-Spielern gibt, so gibt es sie in fast jedem anderen
Bereich. Hier: Die Leser und Nicht-Leser.
Wenn
diese Dame gerne Bücher liest und Zeit dazu hat: Bitte sehr. Have
fun!
Wenn
es aber Leute gibt, die das nicht gerne tun, sich aber dennoch gerne
in einer Bibliothek aufhalten (in der man noch sehr viel mehr machen
kann, als nur zu lesen), dann hat die Nörglerin das zu akzeptieren.
Es
war einfach sehr interessant zu beobachten wie sie von den paar
Jugendlichen hier, direkt auf die ganzen Innenstädte in NRW schloss.
Denn sie kommt ja aus Köln.
Heißt
wohl so viel wie: wer einmal in Köln war, der hat das Grauen
gesehen… Oder so?
Es
gibt keine Jugendzentren – ergo die Jugend macht die Innenstadt
unsicher – ergo ist es überall laut und chaotisch – ergo wurden
selbst die Bibliotheken schon von dieser Epidemie namens „Jugend“
heimgesucht!
Nicht
zu fassen!
Wie
kann die Jugend es WAGEN in den Innenstädten und öffentlichen
Einrichtungen zu sein?! Gott bewahre! …
Ich
machte der Dame einen wirklich sehr nett gemeinten Ratschlag. Ich
fragte sie zunächst: „Also verstehe ich Sie richtig? Sie stören
sich daran, dass es zu laut ist?“
„Ja!“,
sagte sie, puterrot im Gesicht.
Ich
zeigte auf einen „Kaugummiautomaten“ hinter ihr, in dem sich
Ohrenstöpsel befinden.
„Wie
wäre es damit? Das nutzen so manche, die…“
„ICH
WERDE DOCH BEIM AUSSUCHEN DER BÜCHER AM REGAL KEINE OHRENSTÖPSEL
TRAGEN! SOWEIT KOMMTS NOCH!“
Und
mit diesen Worten rauschte sie wütend ab und lies mich, immer noch
im Hilfsbereit-Modus zurück… Tja nun.
Wie
oben bereits erwähnt: ich freue mich, dass ich mich (noch?) nur über
die älteren, engstirnigen oder frustrierten Leute aufregen muss.
Jugend
braucht Platz. Und eine Gesellschaft, die nichts mit ihrer Jugend zu
tun haben will, braucht sich nicht wundern, wenn sie ihr fremd wird…
An
alle jungen Leute: um Himmels Willen, werden nicht wie all die Alten
heutzutage! Bleibt offen und gelassen!
„Bewusst und
reflektierend miteinander leben und wachsen, die Kinder einfühlend
begleiten,
Entfaltung ermöglichen, auch mal etwas fordern und begrenzen, mehr aber bestärken
und ermutigen, vor allem aber grundsätzlich akzeptieren, möglichst lieben,
das ist die beste Erziehung - oder besser, Be-ziehung.“
Entfaltung ermöglichen, auch mal etwas fordern und begrenzen, mehr aber bestärken
und ermutigen, vor allem aber grundsätzlich akzeptieren, möglichst lieben,
das ist die beste Erziehung - oder besser, Be-ziehung.“
- humanistisch
So. Macht euch das nachdenklich? Ich
hoffe!
Und in diesem Sinne
Schockt die Massen – lest ein Buch
(oder, macht verdammt noch mal, was
immer euch glücklich macht!)
Eure Sherry