Donnerstag, 27. April 2017

Witzige Missverständnisse oder: Kaugummi in der Bibliothek

So manche Ausleihe ist echt witzig. Nicht etwa, weil jemand was Witziges gesagt hat, sondern weil es Leute gibt, die sich so unfassbar DUMM anstellen, dass man einfach nur noch lachen kann.

In unserer Bibliothek befindet sich ein Automat, der von seinem Aussehen her sehr stark an die Kaugummiautomaten von damals erinnert.
Man wirft eine Münze ein, dreht an einer kleinen Vorrichtung und ZACK, purzelt ein Bällchen mit einem Spielzeug oder einem Kaugummi heraus.
Solche Teile fand man damals an allen Ecken – war schon n Traum für kleine Kinder.

Jedenfalls steht jetzt so eine „Kaugummiautomat“ bei uns im Haus.
Er enthält aber keine Kaugummis, sondern Ohrstöpsel.
Ohrstöpsel?
Ja!!!
Denn, wer sich beim Lesen in unseren Räumlichkeiten durch Geräusche gestört fühlt, wirft einen Euro ein und erhält Oropax für’s linke und rechte Ohr.
(Komischerweise werden die Leute immer unheimlich wütend, wenn sie sich über Lärm beschweren und ich darauf hinweise, dass sie sich Ohrstöpsel ziehen könnten… Keine Ahnung wieso. Bevor ich n riesen Theater machen würde, dass mich iwas Lautes stört, würde ich mir doch erst mal Ohrenstöpsel holen… Denke ich… Oder? Aber ich maul eh nicht herum. Meist trifft es nämlich nur Leute, die eh nichts dafür können.)
An sich also eine nette Idee.
In der Praxis eher nutzlos.

Ich glaube, der Großteil unserer Leser hat noch nicht einmal registriert, dass dieser Automat existiert…

BIS GESTERN!

Unser neuer Azubi und ich hatten den Spätdienst und standen uns an der Theke die Beine in den Bauch, da so gut wie nichts los war.
Plötzlich kam eine junge Familie (Vater, Mutter, kleines Mädchen), offensichtlich der deutschen Sprache nicht allzu mächtig, zu uns in die Etage.
Fröhlich zeigte die Kleine auf den Automaten und musste wohl ihre Eltern gebeten haben, ihr eine dieser schönen bunten Kugeln zu kaufen…
Die Eltern lächelten, gingen an das Gerät und warfen Geldmünzen ein.
Bei der dritten Klemmte die Vorrichtung, da kam die Mutter zu uns an die Theke.
Kaugummi kaputt“, sagte sie. Ich starrte sie an wie ein Auto.
Und während mein Gehirn langsam verarbeitete, dass die junge Frau dachte, die Ohrstöpsel seien Kaugummis, winkte ihr Mann ihr triumphierend zu, sie lächelte und verließ die Theke.

Die dann folgene Situation konnten wir nur staundend beobachten. Dem Azubi und mir fehlten jegliche Worte.
Das kleine Mädchen freute sich unheimlich, eins der Kügelchen mit dem bunten Inhalt in der Hand zu haben. Da es die Plastikkugel aber nicht selbst öffnen konnte, reichte es sie seiner Mutter. Diese knackte die Kugel, nahm sich einen Oropax heraus, steckte ihn in den Mund und gab der Tochter durch ein Zeichen zu verstehen, es ihr gleich zu tun.

Und sie verschwanden zwischen den Regalen.
Oropax kauend.

Als der Azubi und ich endlich begriffen hatten, was da gerade passiert war, brachen wir in Gelächter aus. Wir konnten uns nicht mehr halten…
Diese Situation war SO skurril… Wir wusste gar nicht, was wir hätten tun sollen, um sie zu verhindern.

Ich hab KEINE AHNUNG ob die Eltern dieses Mädchens am Ende verstanden haben, dass das KEINE KAUGUMMIS waren… Ich kann es nur hoffen.
Jedenfalls blieb das kleine Dreiergrüppchen noch so lange auf der Etage, bis wir das Haus geschlossen hatten.

Vielleicht klingt das jetzt irgendwie böse und wir hätten die Leute davon abhalten sollten, die Ohrstöpsel zu essen… Aber ganz ehrlich:
Wir hatten das nicht kommen sehen.
Immerhin prangert ein großes OHRSTÖPSEL-Schild über dem Automaten…
Das sind einfach Situationen, mit denen am Ende wohl Darwin Recht behält….
Die Natur weiß schon was sie tut?

(Uj klingt das böse…)

Bis dahin

Schockt die Massen – lest ein Buch


Eure Sherry