Donnerstag, 5. Oktober 2017

„Ich weiß“, dass ich nichts weiß

Dass wir manchmal unfreundliche Leser haben, wisst ihr bereits.
(Manchmal frage ich mich… habe ich jemals einen Post mit „DIESMAL WAR ALLES TOLL!“ angefangen???)
Die sind frech, störend, stinkend und vieles mehr…
Und letztens hatte ich ein wirklich SEHR NETTES Exemplar bei uns sitzen…

Diese ganze Situation mit ihm war eine unerfreuliche für mich.
Ich hatte ganz alleine die Ausleihe und musste mir somit einsam die Beine in den Bauch stehen… Und dann nervt der herum…
Aber alles nach der Reihe:

Im Prinzip bin ich echt gerne alleine in der Ausleihe (wenn nicht gerade ultraviel los ist) und auch heute wollte ich die einsame Zeit genießen…
Aber kurz nachdem ich meine Schicht begonnen hatte, hörte ich ein Handy klingeln.
Mit wütendem Blick sah ich mich um und suchte nach einem fremden Hinterkopf, der von der Regel, dass bei uns nicht telefoniert werden darf, wahrscheinlich noch nichts wusste.
Doch mein Blick fiel auf einen Stammkunden. Einen älteren, großen Herren, der mir bisher nie negativ aufgefallen war.
Er ging an sein Handy und SCHRIE schon fast hinein.
Also ganz ehrlich: normalweise senkt man die Stimme wenigstens und spricht leise…
VOR ALLEM als Stammleser… Nicht so der Telefonierer!

Ich sagte mit erhobener Stimme: „Würden Sie hier bitte nicht telefonieren?“
Keine Reaktion. Der Mann plapperte LAUT weiter in sein Handy.
Ich stieß ein genervtes „Boah!“ aus und macht mich auf dem Weg zu ihm.
Hallo?“, sagte ich, schräg hinter ihm stehend.
Keine Reaktion.
HALLO!?“, schrie ich jetzt fast und stand praktisch nur 3 Meter von ihm entfernt.
Der Mann plapperte weiter und würdigte mich nicht eines Blickes.
Ich starrte ihn entgeistert an.
Am liebsten hätte ich ihm das Handy weggerissen, mir zur Theke genommen und gesagt, er könne es sich abholen, wenn er das Gebäude verlässt…
Aber leider funktioniert sowas nur bei Schülern. Oder im Kindergarten. -.-*

Da erhob sich ein Stammleser, der in der Nähe saß und sagte beschwichtigend zu mir „Er hört sie wohl einfach nicht…“ – der nette Mann dachte wohl, der Telefonierer sei schwerhörig…
Ich stand immer noch an Ort und Stelle und starrte mittlerweile ungläubig.
Der Telefonierer legte auf.
Der nette Mann wandte sich lächelnd an ihn und sagte: „Sehen Sie den Aufkleber da? Sie dürfen hier leider nicht telefonieren…“
Der Telefonierer-Arsch antwortet darauf, ohne den netten Mann auch nur anzusehen:
Ich weiß.“ und vertiefte sich weiter in seine Zeitung.
Mir klappte die Kinnlade herunter. Und auch dem netten Mann entglitten die Gesichtszüge etwas.

Nach einigen Millisekunden erlangte ich meine Fassung wieder, macht auf dem Absatz kehrt und schwor mir, nie wieder nett zu dem Arsch zu sein.
WIE FRECH KANN MAN SEIN!?!?!?!?!
UN-GLAUB-LICH!
Auf dem Weg zur Theke kam mir eine Kollegin aus einer anderen Etage entgegen, die die Situation anscheinend mit angesehen hatte.
Sie schaute nur traurig und sagte: „Das macht der bei uns ständig. Juckt den nicht im Geringsten, dass man hier nicht telefonieren darf.“

Mir fehlten die Worte.

Vor allem fühlte ich mich tatsächlich betrogen!
Wenn jetzt schon die sonst unauffälligen anfangen, scheiße zu werden… Wohin führt das noch!?

So langsam erhole ich mich von dem Schock…
Aber wie gesagt, nett bin ich zu dem nicht mehr.
Dafür ist mein Gedächtnis zu gut.
Der wird sich noch mal umschauen, wenn der in ne Zeitschrift gucken will, oder sonstigen Service erwartet…

Penner, ey.

So. Jetzt trinke ich nen Pfefferminztee und versuche, wieder ruhig zu werden.

Bis dahin
Schockt die Massen – lest ein Buch


Eure Sherry