Es
gibt alte Männer, die viel reden.
Es
gibt alte Männer, die unlustig sind.
Es
gibt alte Männer, die verrückt/wahnsinnig sind.
Es
gibt alte Männer, die stinken.
Es
gibt alte Männer, die schmierig sind.
Und
der Motten-Mann bei uns, vereint all diese Aussagen zu einem
Menschen.
(Der
Einfachheit halber werde ich ihn „Motti“ nennen.)
Doch
wie kommt Motti überhaupt zu seinem Namen?
Das
liegt daran, dass Motti einen unangenehmen Geruch an sich trägt. Für
mich riecht er nach ungelüfteter Rentner-Wohnung, gepaart mit
Mottenkugeln. Dass er täglich dasselbe trägt, macht die Sache nicht
gerade besser…
Motti
war anfangs nur jemand, der nervte, weil er Leute mit
Verschwörungstheorien volltextete. Dann begann er, mir und Kollegen
jegliche Schriftstücke über die neusten Geschehnisse der Wirtschaft
vorzulegen, uns erwartungsvoll anzugucken und sich leicht aufzuregen,
wenn für uns nicht offensichtlich wurde, was sein Hirn sofort
begriffen hatte (ich weiß bis heute nicht, was er von uns wollte…).
Mit
seiner Alter-Mann-Lache, die klingt, als sei sein Lachgetriebe
verreckt, bot er wirklich eine seltsame Erscheinung.
Aber
nun gut, er war nervig, aber nicht ZU unangenehm. Und wenn man nicht
viel sagte, ging er auch bald wieder.
Bis
ich eines Tages wohl ZU freundlich war…
Keine Ahnung, ob mein Lächeln oder mein Vorbau an diesem Tag zu groß waren, plötzlich verschwand er nicht so schnell wie sonst immer.
Keine Ahnung, ob mein Lächeln oder mein Vorbau an diesem Tag zu groß waren, plötzlich verschwand er nicht so schnell wie sonst immer.
„Warn
Se schon im Einkaufscenter in XY? Da gibt’s so `nen guten Laden…“,
fragte er, in seinem schmierigen Tonfall (der mich jetzt, wo ich
darüber nachdenken, an die deutsche Synchronstimme von Randy aus der
Monster AG erinnert…).
„Ne,
da bin ich nie. Ich komm ja nicht von dort.“, sagte ich schlichtweg
und wollte das Thema damit beenden. Aber Motti witterte seine Chance.
„So?
Woher kommen Se denn?“ und dann grinste er debil.
„Aus
XZ...“, sagte ich noch und wurde mir meines Fehlers schlagartig
bewusst.
„Ahaaa,
aus XZ, da wohn ich nicht weit weg! Welcher Stadtteil denn?“
„XL“,
jetzt log ich. Langsam wurde mir die Situation unangenehm.
Ausgerechnet
in diesem Moment war mein Kollege nirgends zu finden und ich stand
ganz allein mit dem stinkenden und beinahe schon sabbernden Motti an
der Theke.
„Ah
ja, XL… Ne, da war ich noch nicht… Wie lange arbeiten Se denn
heute?“, seine Augen funkelten dunkel.
„Lange.“,
sagte ich knapp angebunden.
„Lange?
So, so… Wie wär’s denn mal mit nem Kaffee? Ich lad Se ein. Dann
können wa `n bisschen quatschen.“
„Nein,
danke.“
„Nicht?
Ach kommen Se. Nur ein Kaffee.“
„Nein.“
Daraufhin
ließ er sein heiseres, leicht ungläubiges Lachen hören,
verabschiedete sich und ging.
Seit
diesem Tag, schenke ich diesem Kerl nur die nötigsten Blicke und
lächeln will ich in seiner Gegenwart nie.
Bald
kam die Osterzeit. Da Motti ein regulärer Gast bei uns ist, war er
natürlich vor jedem großen Feiertag zugegen.
Kurz
vor den Osterfeiertagen kam er zu mir an die Theke (aber erst in dem
Moment, in dem ich mal wieder kurz alleine war, weil mein Kollege
Rückläufe einstellte) und drückte mir eine Packung industriell
hergestellter Butterkekse in die Hand.
„Hier,
für die Feiertage!“ und mit seiner bekannten Lache verabschiedete
er sich.
Ich
nahm die Packung baff entgegen und legte sie hinter mich auf eine
Ablage.
Mein
Kollege kam zurück und ich beschloss, ihm von den Keksen zu
erzählen.
„ICH
esse die sicher nicht“, sagte mein Kollege. „Von so nem
schmierigen… Kann der selber essen.“
„Also,
ich esse die mit Sicherheit auch nicht… Dann lassen wir die
liegen?“, fragte ich.
Und
das taten wir.
Ich
weiß nicht, was mit den Keksen geschah… Aber falls Motti sich
irgendwie Pluspunkte sammeln wollte… Nein, danke.
Denkt
der, ne Packung Kekse weckt plötzlich meine innere Begierde für ihn
und lässt meine Libido verrücktspielen!?
Alte
Männer, ey.
Das
ist jedenfalls die kleine Geschichte, wie ich Motti besser kennen
lernte. Er ist übrigens nicht mehr ganz so häufig bei uns. Und
redet auch nicht mehr mit mir als nötig.
Vielleicht
ist die Nachricht endlich bei ihm angekommen…
Nun
gut, bis zum nächsten Mal!
Schockt
die Massen – lest ein Buch!
Eure
Sherry