Mein
Arbeitgeber ist die Stadt.
Wir
bieten in der Bibliothek eine Dienstleistung an die, wenn man, sagen
wir mal den „VIP-Status“ haben möchte, gebührenpflichtig ist.
Jegliche Einnahmen, egal ob Mahngebühren oder Jahresgebühren, gehen
an die Stadt.
Fälschlicherweise
glauben aber viele Leser, alles was sie uns geben, würde unserer
Einrichtung zu Gute kommen.
„Ja,
ich zahl die 3 € Mahngebühren. Da können Sie sich dann ne Tasse
Kaffee für kaufen!“
oder
auch:
„Also
wenn Sie hier von jedem immer die Jahresgebühr abkassieren, frage
ich mich schon, wo denn die neuen Bücher bleiben! Sie haben das
neuste Buch von XYZ gar nicht! Und das kam schon vorgestern raus!“
Wenn
wir dann freundlich erklären, dass das Geld nicht bei uns bleibt,
sondern bei der Stadt und dass wir nicht einkaufen können, wie ein
Privatmensch, der sich mal eben ein Buch im Internet bestellt oder in
die Buchhandlung geht, werden wir wiederum von vielen Lesern
mitleidig angesehen.
„Ach,
diese Stadtverwaltung immer!“ und dann beginnt das Gemecker.
(Dass
sich zur Abwechslung mal nicht über uns und unsere Arbeit beschwert
wird, ist ganz erfrischend, muss ich gestehen…)
Doch
bevor jemand mitleidig gucken oder sich echauffieren kann, steht erst
einmal die Aussage im Raum:
„Ihr
Bibliotheksausweis ist abgelaufen. Die Jahresgebühr wird fällig,
ansonsten bleibt die Karte gesperrt.“
Die
Reaktionen, die darauf folgen, sind echt herrlich:
- „Wie!? DER KANN ABLAUFEN?!“
- „Hä? Aber ich hab den doch neulich erst verlängert… Neulich… vor einem… Jahr? Oh.“
- „Muss ich mich jetzt KOMPLETT NEU ANMELDEN!?“
- „Wieso?“
Fast
genauso schön sind die Reaktionen auf die zu entrichtende Gebühr
für das Jahr. Nämlich 20 €. Und wisst ihr was? Diese 20€ wurden
eingeführt, als ich gerade meine Ausbildung angefangen hatte. Davor
waren es jahrelang 15€.
Und
als es noch Dinosaurier gab, vermutlich noch weniger.
Deswegen
hier, meine Lieblingsantworten, wenn ich den Preis für die
Verlängerung ausspreche:
- „WAS?! Ist das SCHON WIEDER teurer geworden?!“ (regelmäßiger Kunde, Rentner)
- „So viel?! Wieso denn so viel?! Andere Bibliotheken nehmen nur blablabla€!“
(Höhö. Dann gehen Sie doch in die andere. Die kassiert ja auch 1-2€ pro DVD oder CD. Wir nicht.) - „Ah ja… Und sagen wir… Ich würde das jetzt nicht zahlen… Kann ich dann auch auf der Karte meiner Kinder Medien ausleihen?“
(Kinder zahlen keine Jahresgebühr… Trotzdem: Nein.) - „Das letzte Mal musste ich aber nur 10€ zahlen! Wieso ist denn das jetzt so teuer?“
(Einfach nein. Begründung: bereits oben erwähnt. Ganz davon abgesehen, dass unser System letztes Jahr alle Kunden gelöscht hat, die mehrere Jahre inaktiv gewesen waren. Also: definitiv nein.)
Es
ist immer wieder ein Spaß.
Letztens
hatte ich aber einen Fall, der mich mehr als nur irritiert hat…
Grundsätzlich
ist es so, dass Hartz 4-Empfänger, sofern sie uns einen Beleg
vorzeigen können, keine Jahresgebühr entrichten müssen.
Kinder
und Schüler sind auch frei von der Gebühr.
Studenten
erhalten eine Ermäßigung.
Nun
hatte ich, vor gar nicht allzu langer Zeit, eine junge Frau an der
Theke, die ihren Ausweis verlängern wollte. Im System war sie als
Studentin eingetragen.
Ich
informierte sie, dass die Jahresgebühr 10€ betrüge und sie mir
bitte ihren aktuellen und gültigen Studentenausweis vorzeigen müsse.
Den
Ausweis hatte sie dabei, aber kein Geld.
Dann
fragte sie mich, was denn wäre, wenn sie arbeitslos und
Hartz-4-Empfängerin sei.
Und
plötzlich zog sie einen Nachweis, einen AKTUELLEN Nachweis, über
ihre Sozialhilfe hervor.
Jetzt
war ich irritiert. Dass Studenten ALG2-Empfänger sein können,
wusste ich bis dato nicht. Und bin mir auch nicht ganz sicher, ob das
alles so seine Richtigkeit hatte…
Da
sie mir jedoch ein gültiges Dokument vorlegte, konnte ich nicht
anders, als ihr die Jahresgebühren zu erlassen.
Verrückt.
Oder
in dem ganzen Bürokratie-Dschungel hat mal wieder jemand nicht
aufgepasst…
Tja,
lieber Leser, selbst die Verlängerung eines Ausweises kann voller
Überraschungen stecken!
Bis
dahin
Schockt
die Massen – lest ein Buch
Eure
Sherry