Es
gibt einige strikte Regeln, die man als Kunde in einer Bibliothek zu
beachten hat.
Neben
dem regelmäßigen Zahlen der Jahresgebühr und einem ganzen Katalog
von Regelungen, gilt vor allem eins:
Bibliotheksausweise
sind nicht übertragbar.
So.
Nun hatte ich mal wieder Ausleihe und eine Gruppe kleiner halbstarker
Jungs kam an die Theke. Der größte und dickste von ihnen, ich nenne
ihn mal „Machmut“, war eindeutig der Gruppenführer…
Ganz
cool schlenderte der Teenie auf mich zu und rief noch, während er
ging:
„Hallo,
isch möchte einen Computer ausleihen!“
Natürlich
hatte ich verstanden, was er wollte. Aber Machos kann ich, selbst als
Teenager, so gar nicht ab.
„Einen
Computer ausleihen?“, fragte ich mit hochgezogenen Augenbrauen und
sah ihn ungläubig an.
Einige
seiner Kumpels kicherten.
„Mah
nein…“, begann Machmut. „So… an einen Internetplatz!“
„Ah
ja. Dann brauche ich deine Karte, bitte.“
Er
händigte mir eine Kinderkarte aus. Ich las die Karte ein und sah,
dass er mir die Karte eines Mädchens gegeben hatte, das 11 Jahre alt
ist.
Mein
Arbeitsplatz befindet sich in der Erwachsenenabteilung, in der PCs
von Jugendlichen unter 13 Jahren nicht genutzt werden dürfen.
Ich
kann die noch nicht einmal frei schalten, wenn der Karteninhaber zu
jung ist.
„Tut
mir leid, du bist erst 11. Du musst eine Etage höher.“, sagte ich
und gab ihm die Karte zurück.
Wieder
lachten seine Freunde. Einer sagte: „Hä? Der is doch 13!“
Da
sammelte sich Machmut wieder: „Ja, das is die Karte von meiner
Schwester.“
„Die
Bibliothekausweise sind nicht übertragbar.“, gab ich trocken
wider.
„Jaaah.
Ich hab auch eine. Aber ich hab die verloren… Können Sie die Karte
dann vielleicht sperren?“
Ich
tippte seinen Namen ein. „Dein Ausweis ist abgelaufen. Die Karte
ist also gesperrt.“
Wieder
lachten seine Freunde laut los. „Machmut ey!“, rief einer.
„Ja…
gut…“, sagte Machmut, sichtlich angepisst.
Und
dass er angepisst war sah ich daran, dass er einem seiner Kollegen,
der etwas zu laut gelacht hatte, erstmal einen fetten Seitenhieb
verpasste, während sie alle in die Kinderabteilung hochgingen…
Keine
Ahnung, ob er oben Zugang zu den Computern erhalten hatte.
Ich
komme mir den fremdsprachigen Namen nicht so gut zurecht und kann
nicht immer sofort sagen, ob da jetzt Männlein oder Weiblein die
Kartenbesitzer sind…
Mit
etwas Glück, konnte sich Machmut mit der Karte seiner elfjährigen
Schwester anmelden, weil vielleicht auch andere Kollegen nicht ganz
genau hinsehen…
Wenn
nicht, muss er sich in Zukunft wohl tatsächlich einen Computer
ausleihen…
Bis
dahin
Schockt
die Massen – lest ein Buch
Eure
Sherry